Endlich Sommer, Tierschutztag in Delmenhorst. 25.05.
Die Sonne scheint. In der Innenstadt Delmenhorst stehen zahlreiche Infostände. Vertreter_Innen der lokalen Tierschutzorganisationen diskutieren mit Passant_Innen, an einer Imbissbude wird für “echte deutsche Öko-Bratwurst” geworben – und mittendrin stehen etwa sechs Neonazis mit Transparent und Flugblättern. Es ist “Tierschutztag” in Delmenhorst.
Auf den verteilten Flugblättern zieren Logos und Enbleme der “Antispeziestischen Aktion” einen zutiefst regressiven Text, der die “Befreiung von Mensch und Tier” propagiert. Die Neonazis fordern eine “vegetarische und vegane Lebensweise” – verantwortlich für die Aktion ist (zumindest formell) der nicht anwesende Julian Monaco (Delmenhorst).
“Umweltschutz ist Heimatschutz”.
Bereits in der Vergangenheit nutzten Neonazis mehrfach vermeintlich linke Themenkomplexe, so etwa die Kritik an der “kapitalistischen” Globalisierung, um ein harmloses und bürgernahes Image zu gewinnen. Die “rebellische” Attitude der Querfront-Aktivist_Innen impliziert, dass es sich bei den “Nationalrevolutionären” um die einzig-existente Alternative zum bestehenden System handele. Auch “Tierschutz” gehöre zu den beanspruchten Themenkomplexen. In der Fußgängerzone ließ Mario Müller mehrfach vor einem anwesenden Antifaschisten verlauten, heute nicht “sportlich” unterwegs zu sein, sondern eher “bürgerlich”.
Das es sich bei einer neonazistischen Kritik an der “Ausbeutung von Tieren” lediglich um eine stark-verkürzte Darstellung handelt, bedarf keiner weiteren Erläuterung. Neonazis propagieren “Tierschutz”, weil dieser eben auch “Heimatschutz” sei. Die “kleinen Unternehmen” treffe hierbei keine Schuld, nur die “großen Konzerne” formieren das Feindbild der vermeintlich “Autonomen”. Der antisemitische Kampf gegen die “Kapitalisten” und das “System” beinhalte auch die Auseinandersetzung mit der ökonomischen Nutzung der Tiere. Dementsprechend zog die Neonazi-Kleingruppe mit einem Transparent durch die Innenstadt, verteilte Flugblätter und entfernte sich schleunigst, als Staatsschutz und Polizei vor Ort erschienen.
Paradoxes Auftreten.
Unter den Anwesenden befanden sich: Mario Alexander Müller (Harpstedt), Kevin Boeck (Bookholzberg), Marcel Hesse (Delmenhorst), Stefan Rabe (Heide), Amrei Komotzki (Ganderkesee), sowie weitere Einzelpersonen aus der Region.
Suspekt ist das Auftreten der Neonazis, die sich als angebliche Tierschützer_Innen präsentieren möchten. Der für die Flugblätter als Verantwortlicher eingetragene Neonazi, Julian Monaco, isst nicht nur Fleisch, sondern beteiligte sich noch nicht einmal an der Aktion. Amrei Komotzki betonte noch vor wenigen Monaten über eine “vegetarische” oder “vegane” Lebensweise zu “lachen”. Marcel Hesse lebte kurzzeitig vegan, griff jedoch immer wieder zu Fleisch- oder tierischen Produkten, erzürnte so Cliquenchef Mario Müller, wurde gruppenintern gemobbt und lebt jetzt quasi regelmäßig “vegetarisch”. Andere Teilnehmer_Innen, wie z.B. der ehemalige Autotuner Stefan Rabe, wollten bis vor kurzer Zeit nichts von “Tierschutz” wissen. Und schon garnicht von einer “vegetarischen oder veganen” Lebensweise.
Entsprechend paradox erscheint eine Tierschutaktzion, deren Teilnehmer_Innen bis vor kurzem entschieden betonten, nichts mit eben jenem Themengebiet gemein zu haben. Kein Wunder, Text und Konzept wurden – wie üblicherweise – durch Mario Müller (Harpstedt) ausgearbeitet.
Fraglich ist weiterhin, ob die anwesenden Neonazis ausreichend über die bisherige Vorgeschichte Müllers informiert sind. Ehemals fester Bestandteil der “Autonomen Nationalisten Nord/West”, wurden er und weitere “Autonome” ursprünglich aus sämtlichen Strukturen der Norddeutschen Neonaziszene isoliert. Müller hatte in leitender Funktion Daten über Neonazikader und Gruppenstrukturen an die Journalist_Innen des Autor_Innen-Kollektivs “Recherche Nord” weitergeleitet. Gemeinsam mit den “Antifaschist_Innen”, wollte er via “Querfront” zunächst die Faschist_Innen – also Kameradschaften und NPD zerschlagen, anschließend dann “das System”. Um diese Querfront, also eine personell durch die Gebrüder Strasser und Ernst Röhm im Kontext des Nationalsozialismus begründete Idee, die für eine “Volksfront” gegen “Bonzen und Kapital” wirbt, zu erreichen, leitete Müller umfangreich Datenträger weiter. Gerade auf einschlägigen Internetplattformen – wie dem “Nachrichtenportal” Altermedia – verweisen Neonazis vermehrt auf die Hintergründe der “Metallfresse” aus Harpstedt. Das “antifaschistische” Engagement des heutigen Neonazikaders ging gar soweit, dass er für antifaschistische Gegenaktivitäten warb, um ein Treffen der “Ludendorffer” in Dorfmark zu verhindern – schließlich sei er ja gegen Rassismus.
![Antifa Delmenhorst [NEVER AGAIN]](http://www.antifa-aktion.com/wordpress/wp-content/themes/rio3/images/header.jpg)