Neonaziaktivitäten, Informationsveranstaltung zu Polizeiverhalten während Neonazimahnwache. 09.04.
Auch wenn innerhalb der letzten Wochen wenige Artikel veröffentlicht wurden, so sind auch weiterhin Neonazis in Delmenhorst aktiv. Unterdessen veranstalteten Antifaschist_Innen, in Kooperation mit dem Forum gegen Rechts, eine Informationsveranstaltung über das kritisierte Polizeiverhalten im Kontext der Neonazi”-mahnwache” am 25. Februar 2010.
Ausstellung beendet.
Triumphal beendete der Kriminalpräventive Rat die Wanderausstellung gegen “Extremismus” im delmenhorster Rathaus – ein voller “Erfolg”. Geleugnet werden kann indes nicht, dass nahezu täglich Neonazis Flugblätter verteilt hatten, eine Mahnwache veranstaltet und antifaschistischer Gegenprotest stigmatisiert und angegriffen wurde.
Mittlerweile veröffentlichten auch die “Jungen Nationaldemokraten”, namentlich der arbeitslose Julian Monaco, einen erneuten Artikel über eine stattgefundene Auseinandersetzung. Hierbei benannte der “Führer” der niedersächsischen “Jugendorganisation” die angegriffenen Personen. Diese hätten angeblich zwei “nationale Aktivisten” angegriffen. Tatsächlich attackierte Mario Müller, gemeinsam mit der Partnerin Monacos, Alicia Norman (Delmenhorst), scheinbar in einem Anflug grenzenloser Selbstüberschätzung, eine Gruppe von vier Jugendlichen und zwei städtischen Sozialpädagog_Innen mitten auf dem Marktplatz in Delmenhorst. Zeug_Innen alarmierten die Polizei und konnten folgend bestätigen, dass die Gewalt von den anwesenden Neonazis ausgegangen war. Nachdem Antifaschist_Innen den Angriff abgewehrt hatten, war Müllers Selbstbewusstsein scheinbar schwer getroffen: kreischend lag dieser am Boden, mit Hämatomen und Platzwunden über das Gesicht verteilt. In der Konfrontation hatte er eine (durch die Polizei sichergestellte) Waffe genutzt, die prinzipiell einem Totschläger ähnelt. Einige der beteiligten Personen mussten aufgrund von Hämatomen im Krankenhaus behandelt werden, eine Platzwunde genäht werden. Die ebenfalls angegriffenen Sozialpädagog_Innen erstatteten Anzeige gegen die Neonazis. Diese hatten sich noch während der Festnahme gegen die Beamt_Innen der Polizei gewehrt.
Nachbereitung – Gegenproteste Neonazimahnwache.
Mehrfach hatten Antifaschist_Innen das skandalöse Polizeiverhalten im Kontext einer Neonazimahnwache Ende Februar kritisiert. Hierbei wurden mehr als 40 Platzverweise ausgestellt, eine friedliche Sitzblockade brutal geräumt, Polizist_Innen traten in die Menge, griffen in Gesichter und die Lendengegend. Mitglieder der “Eltern gegen Rechts”, die sich schützend vor den protestierenden Antifaschist_Innen positionierten, wurden hierbei traumatisiert.
Eine Pressekonferenz mit Sichtung unterschiedlichster Videomaterialien verdeutlichte anwesenden Mitarbeiter_Innen diverser Zeitungen wie die Beamt_Innen der Polizei vorgegangen waren. Sichtbar war unter anderem Tritte seitens der Polizei in die Menge der Demonstrant_Innen. In den folgenden Tagen berichteten mehrere Medien über die Kritik von antifaschistischer Aktion, Forum gegen Rechts und Eltern gegen Rechts. Vor der Veranstaltung postierten sich schon zu Beginn mehrere Neonazis, darunter Stefan Rabe, Julian Monaco, Marcel Hesse, Kevin Boeck und natürlich Mario Müller.
Hinterhalt und Überfall.
Am Mittwoch, den 24. Februar, unternahm die Neonazi-Clique einen gewaltsamen Überfall auf eine Gruppe von drei Personen, die sie als vermeintliche Gegner_Innen zu identifizieren vermochten. Die Gruppe von Neonazis, darunter Daniel Schönwälder (Delmenhorst), Amrei Komotzki (Ganderkesee), Mario Müller (Harpstedt), Marcel Hesse (Delmenhorst), Stefan Rabe (Heide) und Julian Monaco (Delmenhorst) hinderten die Jugendlichen an der Weiterfahrt. Die zahlenmäßig überlegende Gruppe bedrohte die Personen. Erst als Mario Müller, bewaffnet mit einem Skateboard und Anhängsel Marcel Hesse am Tatort auftauchte, verschärfte sich die Situation jedoch. Müller äusserte Wutentbrannt “Kiefer” brechen zu wollen – Amrei Komotzki hielt die Jugendlichen auf, die sich aus der Situation entfernen wollten. Daniel Schönwälder (bewaffnet mit einer Flasche) partizipierte ebenfalls an dem begangenen Übergriff. Eine direkte Konfrontation wollten die Neonazis dann aber doch nicht – und so griff Stefan Rabe nach dem am Boden liegenden Rucksack einer Person und beging somit einen Raubüberfall, indem er unter anderem Haustürschlüssel entnahm. Gegen Stefan Rabe wurde Anzeige wegen Raub erstattet.
Bereits vor wenigen Tagen agierten Neonazis bei einem vergleichbarem Raubüberfall in ähnlicher Manier. Marcel Hesse (Delmenhorst) – sonst eher verängstigt – riss einem Punker, nachdem er diesen bedroht hatte, nahe seinem Wohnort in Delmenhorst-Hasport einen Aufnäher ab. Gemäß den Prinzipien der delmenhorster Neonaziaktivität, werden erneut lediglich deutlich kleinere Gruppen von Personen bedroht oder angegriffen. Üblicherweise sprintet gerade Julian Monaco lieber nach Hause, als die Konfrontation mit Antifaschist_Innen zu suchen.
Aktuelle Chronik.
Um in aller Kürze die letzten Aktivitäten der Neonazis in Delmenhorst zusammenzufassen, stellen wir chronologisch die letzten Ereignisse faschistischer Gewalt und Kontinuität dar.
22. und 23. März 2010: Neonazis verkleben weitflächig Aufkleber die für den “Arbeiterkampftag”, folglich den neonazistischen 1. Mai, mobilisieren. Zudem werden mit Farbe Parolen an Wände geschmiert. Unter anderem bringt (vermutlich Marcel Hesse) Hinweise auf eine “Nazi Zone” oder “Autonome Nazis” an Wände; tatsächlich sogar direkt am Wohnhaus des “Landesführers” der Jungen Nationaldemokraten in Niedersachsen, Julian Monaco.
24. März 2010: Sieben Neonazis überfallen in einem Hinterhalt eine dreiköpfige Gruppe von Jugendlichen. Stefan Rabe entwendet einen Rucksack, mitsamt Haustürschlüsseln. Mario Müller droht den anwesenden Menschen den “Kiefer zu brechen” – drohend schwenkt er ein Skateboard. Weitere Personen: Daniel Schönwälder (Delmenhorst), Amrei Komotzki (Ganderkesee), Marcel Hesse (Delmenhorst), Julian Monaco (Delmenhorst).
25. März 2010: In den späten Abendstunden ziehen etwa Acht Neonazis durch die Innenstadt. Vor dem Rathaus beginnen einige in größeren Mengen Alkohol zu konsumieren. Julian Monaco beschränkt sich darauf, Fotos der versammelten Gruppe zu machen. Bereits zuvor hatten diese sich in den Graftanlagen nahe der Innenstadt versammelt.
27. März 2010: Am frühen Abend springen mehrere Neonazis trotz starkem Verkehr aus einem Wagen, der sich der Tuninggruppe “Car Force One” aus Delmenhorst zuordnet. Sogar der Fahrer, Stefan Rabe, beteiligt sich mit Eifer daran, eine Einzelperson (erfolglos) zu verfolgen. Weiter sind Daniel Schönwälder und Julian Monaco beteiligt. Nur wenige Stunden später versuchen die Neonazis, nun mit einer weiteren Person, namentlich Marcel Hesse, einen Jugendlichen anzugreifen. Anschließend begibt sich die Gruppe in eine Kneipe in Bahnhofsnähe. Dort stoßen weitere Personen hinzu, zu diesem Zeitpunkt hielten sich etwa sechs Neonazis an der Gaststätte auf. Wenig später versuchen diese – erneut mithilfe Julian Monacos und einem gezielten Hinterhalt – erfolglos vier Personen anzugreifen, diese entfernen sich jedoch aus der Situation. Daniel Schönwälder rennt gröhlend vorweg, bewaffnet mit zwei Bierflaschen – Stefan Rabe krächzt verbalradikale Drohungen.
28. März 2010: Gegen 17:00 Uhr nachmittags versuchen Stefan Rabe, Daniel Schönwälder und weitere Personen erneut in Delmenhorst-Hasport eine Einzelperson anzugreifen. Wie am Vortag springen sie aus ihrem Fahrzeug und versuchen die Person vom Fahrrad zu reißen.
Die Konstanz neonazistischer Gewaltausbrüche und Übergriffe stellen letztlich eine neue Qualität dar. Weiteres in Kürze.
![Antifa Delmenhorst [NEVER AGAIN]](http://www.antifa-aktion.com/wordpress/wp-content/themes/rio3/images/header.jpg)