Antifa Delmenhorst [NEVER AGAIN]
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ihr gegen uns ist wie alf gegen hulk. 14.01.

Am 13. Januar 2010 endete der erste Prozesstag gegen den Neonazi Mario Müller am Amtsgericht Wildeshausen – Resultat: 50 Sozialstunden. Der “beste Anwalt” (Zitat des Angeklagten) schützte den bundesweit bekannten Neonazi in Kooperation mit Staatsanwalt und Richter vor einer angemessenenen Strafe für mehrere Gewalttaten, die unter anderem durch fünf Zeug_Innen detailliert geschildert wurden.
Grund genug für antifaschistische Selbsthilfe!


Dabei gestalteten sich die durch Mario Müller ausgeführten Übergriffe stets nach vergleichbaren Schemata. Müller agierte extrem aggressiv – stets am Rande eines Nervenzusammenbruchs – und attackierte bei bloßem Sichtkontakt ihm vermeintlich bekannte Personen, die er als politische Gegner_Innen identifizierte. Beispielsweise griff er vorgeladene Zeug_Innen mit Reizgas und Schlägen an. Einen einschlägig bekannten Neonazi wie Müller lediglich mit Sozialstunden zu strafen, wird ihn keinesfalls von gewalttätigen Übergriffen abbringen. Das Gegenteil ist der Fall: Solch milde Repressionsmaßnahmen werden den Neonazikader vielmehr dahingehend bekräftigen, dass durch ihn praktizierte Gewalt gegenüber Andersdenkenden juristisch quasi ungestraft bleibt. Dementsprechend gut gelaunt verließ er auch das Gericht, voller Freude über das geringe Strafmaß; seitens der staatlichen Institutionen, scheint er keinerlei Repressalien befürchten zu müssen.


Mario Müller.

Neonazis forderten “Solidarität”.

Neonaziaktivitäten.
Am Vortag des Prozess erhielten aktive Antifaschist_Innen Informationen, nach denen vor dem Amtsgericht eine “Mahnwache” der “Jungen Nationaldemokraten” geplant sein solle. Kurzfristig mobilisiert beteiligten sich etwa 50 Antifaschist_Innen an Gegenaktivitäten rund um den Ort der Mahnwache, an dem sich nach wochenlanger Planung exakt 14 Neonazis aus Delmenhorst, Tostedt und Bremen einfanden.
Geschützt durch 40 Polizisten, Beamte in Zivil, sowie Polizeihunde und abgeschirmt von jeglicher Öffentlichkeit, entrollten diese zwei Transparente, auf denen sie “Solidarität” mit ihren “Freunden” forderten. Teilnehmer_Innen des angrenzenden Straßenverkehrs bot sich nun schwer verständliches Szenario: Anmelder Julian Monaco stand schweigsam vor der einsamen (und eher kläglichen) Gruppe von Neonazis, die weder durch das obligatorische Schweigen, noch durch die (von einer Polizeikette verdeckten) Transparente Unbeteiligten Sinn und Zweck dieser Versammlung vermitteln konnten. Vor Ort betätigte sich Marcel Hesse als regelrechter Fotoguerilla.
Gemeinsam mit Andreas Hackmann aus Bremen versuchte er möglichst viele (der vermummten) Gegendemonstrant_Innen zu fotografieren. Ohne Erfolg. Nachdem die Polizei sämtliche Personalien der “Mahnwache” gegen “Gesinnungsjustiz” notiert hatte, wurden die selbsternannten Revolutionäre schnellstmöglich zu ihren Autos gelotst.
Zum Abschluss wollte sich die Gruppe die pflichtgemäßen Drohgebärden hinter der schützenden Polizeikette nicht nehmen lassen. Die oftmals beschworene ‘direkte Konfrontation’ mit den anwesenden Antifaschist_Innen schien an diesem Tag dann aber doch wenig attraktiv, stattdessen fuhr die Neonazigruppe in die Nachbarstadt Delmenhorst.

Trotz einer längeren Mobilisierung wirkte der Versuch, öffentlichkeitswirksam “Solidarität” einzufordern, eher ärmlich. Gegenüber 14 Neonazis befanden sich 50 Antifaschist_Innen, die nur durch die aggressiv auftretende Polizei abgehalten wurden, die Neonazis aus Wildeshausen zu verscheuchen. Aber für die delmenhorster Neonazis gröhlt es sich unter Polizeischutz dann halt doch am Besten – es bleibt dabei: Ihr gegen uns ist wie Alf gegen Hulk!


Andreas Hackmann (links – Bremen) im Gespräch mit Kevin Boeck (Bookholzberg).

Vermummte Neonazis vor dem Amtsgericht Wildeshausen.

Der Prozess.
Das Journalist_Innenkollektiv “Recherche Nord” berichtet auf ihrer Website über den Verlauf des Prozesses – im Folgenden dokumentieren wir den unter diesem Link einsehbaren Bericht.

Begleitet von einem Großaufgebot der Polizei, einer neonazistischen Mahnwache und dem Protest von rund 50 Antifaschist/ -innen fand am heutigen Mittwoch ein Gerichtsprozess gegen Mario Müller, einem Führungsmitglied der sogenannten »Aktionsgruppe Delmenhorst« statt. Der Neonaziaktivist musste sich vor dem Amtsgericht Wildeshausen wegen Bedrohung und Körperverletzung verantworten. Grund genug für 14 Anhänger/ -innen der Neonaziszene aus Delmenhorst, Tostedt und Bremen eine Mahnwache in Sichtweite des Gerichtsgebäudes durchzuführen. Trotz des regen öffentlichen Interesses folgte das Gericht im inneren des Amtsgerichts einem Antrag der Verteidigung die Öffentlichkeit und anwesende Beobachter/ -innen von dem Prozess auszuschließen. Schlußendlich wurde das Verfahren gegen den als gewaltbereit geltenden Neonaziaktivisten gegen eine Auflage von 50 Arbeitsstunden eingestellt.

Das Fazit.
Das zweifelhafte Urteil des Amtsgerichts Wildeshausen fordert weitere antifaschistische Intervention. Erneut wurde demonstriert: Aktive Antifaschist_Innen können und wollen sich nicht auf eine staatliche Institution verlassen. Neonaziaktivitäten werden bagatellisiert, antifaschistische Aktivitäten stigmatisiert und mit enormer Härte bestraft. Auch Mario Müller, für den weitere Prozesse mit ähnlichen Tatbeständen ausstehen, wird weiterhin Objekt unserer Öffentlichkeitsarbeit bleiben. Innerhalb kurzer Zeit konnten 50 Antifaschist_Innen mobilisiert werden, die rund um den Veranstaltungsort aktiv waren und versuchten, sich den Neonazis zu nähern – nur durch das enorme Polizeiaufgebot konnte verhindert werden, dass die “Mahnwache” nicht vorzeitig durch die aktiven Antifaschist_Innen aufgelöst, sondern durch den Rückzug der Neonazis – letztendlich fast genauso schön!

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